Rudolf Schnur                                            

Diplom-Verwaltungswirt (FH)                                              

Baubiologe IBN                                                          

Stadtrat                                                                  

rudolf.schnur@landshut.org                                        10. Juni 2004

                                                                             

 

Offener Brief!

 

An den

Bayerischen Ministerpräsidenten

Dr. Edmund Stoiber, MdL

Franz-Josef-Strauß-Ring 1

 

80539 München

 

 

Die Schöpfung bewahren oder Halten, was versprochen wurde

 

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident und Parteivorsitzender!

 

Ich schreibe Ihnen heute sowohl als Bürger dieses Landes, als auch als Stadtrat (CSU), Stadtteilgruppensprecher und vor allem Kreisvorsitzender Landshut-Stadt und Bezirksvorsitzender Niederbayern des CSU-Arbeitskreises für Umweltsicherung und Landesplanung.

 

Es geht um die Errichtung eines „Zwischenlagers“ für Kernbrennstoffe in Niederaichbach am Standort der beiden Atomkraftwerke Isar 1 und 2.

 

Wie Ihnen bekannt ist, wurden diese Symbole der Unfähigkeit oder des Unwillens, ein Endlager zu erkunden und zu betreiben durch die Bundesregierung aufgrund Änderungen im Atomgesetz vorgegeben.

 

Als einziger Bürger der Stadt Landshut klage ich für die Bewohner der Region um deren Erhalt von Gesundheit, Leben und Eigentum. Dabei werde ich von zahlreichen Bürgern und der Gesellschaft für aktives Umweltbewußtsein e.V. unterstützt. Juristisch begleitet der Stadtratskollege und Bezirksvorsitzende der Mittelstandsunion, Rechtsanwalt Tilman von Kuepach, meinen Widerstand

 

Bisher sind die atomrechtliche Genehmigung durch das Bundesamt für Strahlenschutz am 22.09.2003, die baurechtliche Genehmigung des Landratsamtes Landshut am 2. April 2004 und nunmehr die Anordnung der sofortigen Vollziehung vom 28. Mai 2004 erteilt worden. Verschiedene Personen aus der Region gehen derzeit gegen alle Genehmigungen mit allen rechtlichen Mitteln vor.

 

Da es nun gilt, einer verhängnisvollen Entwicklung Einhalt zu gebieten, gebe ich die zahlreichen Fragen der Bevölkerung hinsichtlich der Einhaltung Ihrer und von Mitgliedern der Bayerischen Staatsregierung getätigten Aussagen an Sie weiter:

 

Stoiber will Zwischenlager mit Baurecht aushebeln

Augsburg – Der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber ist fest entschlossen „...alles zu tun, damit in Bayern keine Zwischenlager an den Kernkraftwerken gebaut werden können.“

...Und solche Endlager werde es unter einer Regierung Stoiber im Freistaat nicht geben....

                                               Süddeutsche Zeitung vom 27.06.2000

 

Die Staatsregierung will „mit allen rechtlichen und politischen Mitteln“ gegen den geplanten Bau von Zwischenlagern für Atommüll an den Kernkraftwerk-Standorten in Bayern vorgehen. Dies hat die Umweltstaatssekretärin Christa Stewens (CSU) am...

                                               Süddeutsche Zeitung vom 07.04.2000

 

Ministerpräsident Edmund Stoiber hat Widerstand gegen Pläne für den Bau atomarer Zwischenlager in bayerischen Atomkraftwerken angekündigt. Dies halte er für eine „von Ideologie gefärbte sinnlose Konzeption, gegen die wir uns mit allen Mitteln wehren werden“...

                                               Landshuter Zeitung vom 29.03.2000

 

...äußerte Dr. Werner Schnappauf seine Bedenken, dass bei dieser Lösung aus Zwischen- schnell ein Endlager werden könnte. „Mit den rot-grünen Zwischenlagern verfolgt die Regierung in Berlin eine Verstopfungstaktik.“

                                               Landshut aktuell vom 26. Juli 2000

 

„Die bayerische Staatsregierung hält den Zwischenlagerbau für falsch“

Staatsminister Erwin Huber in Niederaichbach

                                              

„Wir akzeptieren die beiden Kernkraftwerke, aber nicht ein Zwischenlager ohne Endlager.“

                        Staatsminister Beckstein in Niederaichbach, LZ vom 25.06.2001

 

Bitte teilen Sie mir baldmöglichst mit, welche Maßnahmen im Einzelnen bereits erfolgt sind, welche geplant sind und in wieweit Sie bereit sind, den Widerstand zu unterstützen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Rudolf Schnur

 

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